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Münzen Frankreichs: 6 Epochen vom Livre tournois bis zum Euro

Münzen Frankreichs: 6 Epochen vom Livre tournois bis zum Euro

Das Währungssystem Frankreichs wechselte häufiger als seine Grenzen. Vor dem Euro, den wir heute kennen, waren zu unterschiedlichen Zeiten Livre, Écu, Louis d’or und Franc im Umlauf. Diese Namen einzuordnen ist nicht einfach: Manche kennt man nur aus alten Büchern und Münzen, die in einer Familienschachtel gefunden wurden.

Eine Regel erklärt vieles. Vor 1795 rechneten die Franzosen nicht in Münzen, sondern in Recheneinheiten: Sie führten ihre Konten in Livres tournois, Sous und Deniers (Stand: 09/2026, französische Wikipedia). Die tatsächlichen Münzen sahen anders aus und trugen andere Namen. Im Folgenden betrachten wir jede Epoche des französischen Geldes, vom Livre bis zum Euro, und zeigen, worauf du bei jeder Münze achten solltest.

So funktioniert das französische Währungssystem

💡 Kurz gesagt:

  • Die Buchführung beruhte auf drei Einheiten: Ein Livre entsprach 20 Sous oder 240 Deniers (laut französischer Wikipedia).
  • Geprägt wurden Münzen in anderen Nennwerten: Écu, Louis d’or, Napoléon d’or, Franc.
  • Münzdaten, Gewichte und Metalle: geprüft am 15.09.2026 anhand der Daten der französischen Wikipedia.

Altes Geld funktioniert auf eine Weise, die uns fremd ist. Man rechnete in Livres, hielt aber nie ein Livre in der Hand: Es war nur ein Wertmaßstab.

1. Livre tournois: die wichtigste Recheneinheit

Das Livre war keine Münze im üblichen Sinn. Es war eine Recheneinheit: Ein Livre tournois enthielt 20 Sous oder 240 Deniers (Stand: 09/2026, französische Wikipedia). Steuern, Schulden und Löhne wurden in Livres berechnet, bezahlt wurde dagegen mit Münzen anderer Nennwerte.

Der Name stammte aus der Stadt Tours. 1203 fiel die Touraine an die königliche Domäne, und das Livre tournois verdrängte das Livre parisis. Die Reformen Ludwigs IX. (des Heiligen) um 1262 dehnten es auf das gesamte Königreich aus (laut französischer Wikipedia).

Das Livre parisis hielt sich erstaunlich lange: Endgültig verdrängt wurde es erst 1667. Das Livre tournois selbst wurde 1795 abgeschafft, als die Revolution den Franc einführte. Fast sechs Jahrhunderte lang blieb es das Maß des französischen Geldes.

Silberner Denier tournois, 1587

Der Denier war die kleinste Münze im System. Er war praktisch, um Brot oder eine Übernachtung zu bezahlen, aber größere Summen wurden weiterhin in Livres gezählt.

2. Der Écu: ein Schild auf Gold und Silber

Der Écu erschien um 1263 unter Ludwig IX. Er wog im Durchschnitt etwa vier Gramm Gold und war 10 Sous wert (laut französischer Wikipedia). Der Name kommt vom Wort „Schild": Die Münze zeigte das Wappen Frankreichs auf einem Schild.

Gold-Écu Karls IV., Vorderseite

Der Name erwies sich als langlebig. Später kehrte der Écu unter Philipp VI. als Goldmünze zurück, und ab 1640 wurde der Name auf eine große Silbermünze übertragen, den Écu blanc. Im 18. Jahrhundert stieg der Wert dieser Silbermünze auf sechs Livres.

Am längsten überlebte der Name auf der Fünf-Franc-Silbermünze. Sie wurde bis 1878 geprägt, und in der Umgangssprache nannten die Leute sie sogar noch später Écu (laut französischer Wikipedia).

3. Der Louis d’or: Gold von Ludwig XIII.

1640 reformierte Ludwig XIII. das Währungssystem des Königreichs grundlegend. Die wichtigste Goldmünze wurde der Louis d’or: 6,75 Gramm Metall, gleich zehn Livres tournois (laut französischer Wikipedia). Der Name kam vom König, „Louis d’or" bedeutet „goldener Ludwig".

Dieselbe Reform brachte den silbernen Écu blanc hervor. Der Louis d’or und der Écu teilten die Rollen auf: Gold diente großen Transaktionen, Silber eignete sich für alltägliche Zahlungen (laut französischer Wikipedia).

Goldener Louis d’or Ludwigs XIV., 1709

Die Münze zeigt deutlich sowohl das Profil des Königs als auch den Schild mit Lilien. So sahen in Frankreich geprägte Louis d’or aus, und verschiedene Münzstätten brachten ihre eigenen Zeichen auf der Münze an.

4. Der Napoléon: Gold des Kaiserreichs

Die Revolution schaffte sowohl den König als auch den Louis d’or ab. Doch das Gold verschwand nicht: Unter Napoleon erschien der Goldfranc, und mit ihm kam eine 20-Franc-Münze, die Napoléon d’or genannt wurde (laut französischer Wikipedia).

Zwei Seiten einer 20-Franken-Goldmünze

Ihr Name stammte vom Profil des Kaisers. Für viele Franzosen war so eine Münze weniger Kleingeld für den Alltag als vielmehr eine Möglichkeit, Ersparnisse aufzubewahren: Eine große Goldmünze eignet sich besser zum Ansparen als zum Ausgeben.

Deshalb überlebte der Napoléon d’or sowohl das Kaiserreich als auch die Regime, die darauf folgten. Solche Goldmünzen wurden sogar nach Napoleons Sturz unter anderen Herrschern geprägt.

5. Der Franc: ein Geld, das bis 2002 überlebte

Das Wort „Franc" selbst tauchte lange vor der Revolution auf. Es war der Name einer Goldmünze von Johann II. dem Guten, die 1360 ausgegeben wurde: Die Inschrift Francorum Rex bedeutete „König der Franken", und mit der Münze wurde das Lösegeld des Königs aus englischer Gefangenschaft bezahlt (laut französischer Wikipedia).

Goldener Franc à cheval: Reiter und Kreuz mit Lilien© http://cgb.fr/ · CC BY-SAFoto: http://cgb.fr/, CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), Wikimedia Commons

Zur offiziellen Währungseinheit wurde der Franc erst 1795. Die Revolutionsregierung gab das Livre auf, das zu sehr an die königliche Macht erinnerte, und führte ein Dezimalsystem ein: Ein Franc wurde in 100 Centimes unterteilt (laut französischer Wikipedia).

Anfangs war der Franc eine große Summe. Dann fraß die Inflation an seinem Wert: 1960 wurde der „neue Franc" eingeführt, und hundert alte Francs wurden zu einem neuen Franc (Stand: 09/2026, französische Wikipedia). Damit wurde der Franc wieder zum Alltagsgeld.

Der Franc überlebte bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Er wurde durch den Euro ersetzt: Der Wechselkurs wurde am 1. Januar 1999 festgelegt, und das Euro-Bargeld erschien am 1. Januar 2002. Ein Euro war 6,55957 Francs wert (Stand: 09/2026, französische Wikipedia).

6. Der Euro: Marianne, die Säerin und der Baum

Die französischen Münzen behielten die alten Motive, die man von früherem Geld kannte.

Französische Ein-Euro-Münze© Mark Morgan from Trinidad · CC BYFoto: Mark Morgan from Trinidad, CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0), Wikimedia Commons

Auf den 1-, 2- und 5-Cent-Münzen siehst du Marianne, das Symbol der Französischen Republik. Auf den 10-, 20- und 50-Cent-Münzen ist die Säerin (Semeuse) abgebildet, die den Franzosen von den Silbermünzen des letzten Jahrhunderts vertraut ist. Und auf den 1- und 2-Euro-Münzen steht ein stilisierter Baum (laut EZB).

Französische Zwanzig-Cent-Münze

Die gemeinsame Seite ist im gesamten Euroraum gleich: der Nennwert, eine Europakarte und 12 Sterne (Stand: 09/2026, EZB). Sie wird für alle Länder gemeinsam gestaltet, während jedes Land seine eigene nationale Seite wählt.

Deshalb sind französische Euromünzen auf einen Blick leicht zu erkennen. In deinem Portemonnaie stecken mehrere Epochen französischer Geschichte gleichzeitig.

Französische Münzen im Epochenvergleich

Münze

Metall

Zeitraum

Das solltest du dir merken

Livre tournois

Recheneinheit

1203-1795

Schulden und Steuern wurden in Livres gezählt

Écu

Gold, später Silber

ab 1263

das Wappen Frankreichs auf einem Schild

Louis d'or

Gold

ab 1640

Gold für große Transaktionen

Napoléon d'or

Gold

ab 1803

die Goldmünze der napoleonischen Ära

Franc

Silber und Papier

1795-2002

Dezimalzählung und Centimes

Euro

Kupfer, Stahl, Bimetall

ab 2002

Marianne, die Säerin, der Baum

Für einen ersten Einstieg sind der Livre tournois und der Franc die beste Wahl. Sie zeigen den spannendsten Teil: wie eine Recheneinheit Könige, Revolution und Goldumlauf überdauert hat.

⁉️🤔 Häufige Fragen

Warum hielt sich der livre tournois so lange?

Das Livre war eine praktische Recheneinheit. Steuern und Schulden wurden darin gezählt, und niemand hatte vor, es in der Tasche mit sich zu tragen. Eine Recheneinheit zu ändern ist teurer, als neue Münzen zu prägen, deshalb überlebte das Livre Dutzende Könige und mehrere Reformen.

Wie unterscheidet sich der Louis d’or vom Napoléon d’or?

Beide Münzen sind aus Gold, aber sie gehören verschiedenen Epochen an. Der Louis d’or wurde von Königen geprägt, beginnend mit Ludwig XIII. Der Napoléon d’or wurde unter Napoleon geprägt; es ist eine Goldmünze zu 20 Francs (laut französischer Wikipedia). Sie auseinanderzuhalten ist einfach: Schau dir das Profil des Herrschers an.

Was ist auf den französischen Euromünzen abgebildet?

Drei alte Motive: Marianne, die Säerin und ein stilisierter Baum.

Warum wurde der Écu sowohl als Gold- als auch als Silbermünze bezeichnet?

Der Name kam vom Schild mit dem Wappen Frankreichs, nicht vom Metall. Der erste Écu war aus Gold. Später wurde der Name für eine große Silbermünze verwendet und danach für eine silberne Fünf-Franc-Münze.

Wie viele Francs bekam man für einen Euro?

Der Kurs wurde im Voraus festgelegt: Ein Euro war 6,55957 Francs wert. Seitdem werden Francs in Geschäften nicht mehr angenommen.

Kurz gesagt: Was sich zu reservieren lohnt

Für einen Sammler ist die Logik einfach. Wenn du dich für Geschichte interessierst: Halte Ausschau nach Silberfrancs und Münzen mit der Säerin, sie lassen sich anhand von Datum und Metall leicht bestimmen. Wenn es dich zum Gold zieht: Schau dir Louis d’or von Ludwig XIII. und Napoleons an, sie sind teurer und in einer Sammlung auffälliger. Wenn du einen einzigen Bezugspunkt als Andenken brauchst: Nimm das Livre tournois, es hielt die französische Rechnung fast sechs Jahrhunderte lang.

Beginne mit dem, was bei dir zu Hause schon herumliegt. Sortiere alte Münzen nach Datum und Metall, und du wirst schnell sehen, wo der Franc ist und wo der Euro.