
Malta: Was du vom kleinsten Land der EU nicht erwartest
Malta ist das kleinste EU-Land. Und doch überrascht es selbst jene, die schon halb Europa bereist haben. Hier fährt der Verkehr auf der linken Seite, Kirchtürme haben zwei Uhrenpaare, und die Scheidung wurde später legalisiert als fast überall sonst in der EU. Auf einer einzigen kurzen Reise siehst du Megalithtempel, Festungen der Ritter und eine türkisfarbene Bucht.
2025 begrüßten die Inseln 4.022.310 Touristinnen und Touristen (Stand: 07/2026, Bericht des maltesischen Statistikamts). Das sind 12,9% mehr als im Vorjahr. Die Ferieninseln leben vom Tourismus und empfangen das ganze Jahr über Gäste.
Hier sind die Fakten, die du vor deiner Reise kennen solltest: Verkehr, Gesetze, Geld und die Orte, an denen Postkartenmotive entstehen. Manche davon werden deine Tagesplanung ändern, andere erklären einfach lokale Eigenheiten.
Lage und Besonderheiten
💡 Kurz gesagt:
- Archipel: Drei der sieben Inseln sind bewohnt, zwischen ihnen verkehren Fähren und Boote.
- Auf den Straßen: Linksverkehr, Englisch hat den Status einer zweiten Amtssprache.
Offiziell unterstehen sieben Inseln der Verwaltung Maltas. Nur drei sind bewohnt: Malta, Gozo und Comino (laut offiziellem Tourismusportal, 09/2026). Die übrigen sind winzige Felsen ohne Straßen und Anlegestellen. Der Archipel liegt an der Kreuzung alter Handelsrouten, weshalb seine ältesten Verbindungen nach Sizilien bestehen.
© Patrick Subotkiewiez from BAZIEGE, FRANCE · CC BYFoto: Patrick Subotkiewiez from BAZIEGE, FRANCE, CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0), Wikimedia CommonsBerge und Flüsse gibt es hier nicht. Die Inseln gewinnen ihr Trinkwasser durch Meerwasserentsalzungsanlagen aus dem Meer, daher kostet im Café eine Flasche Wasser manchmal mehr als eine Flasche Wein. Das erscheint dir nur in den ersten Tagen seltsam.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Malta britische Kolonie, und Spuren davon sind bis heute sichtbar. Autos fahren links, und Englisch ist die zweite Amtssprache. Schilder, Speisekarten und Schaufenster sind auf Englisch beschriftet, du kommst also auch ohne Sprachführer zurecht.
Der Name des Landes leitet sich vom phönizischen Wort „malat" ab, das „Zuflucht" bedeutet. Die Griechen nannten die Insel Melita, „die Honigsüße": Bienenzucht und Honigproduktion waren ein bedeutender Wirtschaftszweig. So kam Malta zu seinem zweiten Namen, dem Land des Honigs.
Öffentliches Leben
Die Straßen der örtlichen Städte gelten als die schmalsten Europas: Sie wurden so angelegt, dass die Häuser Schatten spenden. An den Fassaden stehen nicht nur Hausnummern, sondern auch die Nachnamen der Besitzer, eine Adresse klingt also wie „das Haus der Familie Soundso". Die engen Gassen halfen auch bei der Verteidigung, denn mit Waffen ist das Umdrehen darin schwierig. Deshalb solltest du Schuhe mit rutschfester Sohle wählen; die Steine hier sind glatt poliert.

Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle der Insel. Gozo und Comino wurden im Dezember 2025 von 94.251 Menschen besucht (Stand: 07/2026, Statistik des nationalen Statistikamts). Ein Teil der Einnahmen stammt von Kreuzfahrtschiffen, ein Teil von Hotels, Restaurants und Ausflügen. In der Hochsaison steigen die Übernachtungspreise, buche also rechtzeitig.
Das Familienrecht ist konservativer als im übrigen Westeuropa. Die Scheidung wurde in Malta später legalisiert als fast überall sonst in der EU, und Schwangerschaftsabbrüche sind gesetzlich verboten. Die katholische Kirche prägt das öffentliche Leben weiterhin: Sonntagsmessen füllen die Kirchen, und an religiösen Feiertagen ziehen Prozessionen durch die Straßen.
Die Wirtschaft stützt sich nicht allein auf Touristen. Das Land baut und repariert Schiffe, montiert Elektronik und entwickelt Onlinedienste, die Insel läuft dadurch stabiler als benachbarte Ferienorte. Auch das Glücksspiel ist Teil dieser Wirtschaft geworden: Die Malteser gelten als eine der spielfreudigsten Nationen Europas, und Casinos sowie Wetten werden hier von einer eigenen Behörde reguliert.
Ungewöhnliche Fakten über Malta
Viele Kirchtürme haben zwei Uhrenpaare, und sie gehen unterschiedlich. Der Legende nach zeigen die rechten den Gläubigen die richtige Zeit, während die linken böse Geister verwirren. Der Anblick irritiert auch Touristen: Du prüfst die Uhrzeit auf dem Handy, weil den Turmuhren nicht zu trauen ist.
© Bengt Nyman · CC BYFoto: Bengt Nyman, CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0), Wikimedia CommonsDie Megalithtempel des Archipels sind älter als die ägyptischen Pyramiden und Stonehenge. Sie wurden lange vor der Bronzezeit aus gewaltigen Steinblöcken errichtet. Heute stehen diese Bauwerke auf der Welterbeliste, und manche von ihnen liegen mitten in Wohnvierteln (laut offiziellem Tourismusportal Maltas, 09/2026).
Zwischen Malta und Sizilien gibt es keine Brücke, obwohl die Idee seit Jahrzehnten diskutiert wird. Allerdings verläuft ein Stromkabel über den Meeresboden: Die Inseln beziehen einen Teil ihres Stroms vom Festland, was die örtlichen Tarife stabiler hält. Eine Brücke für Autos bleibt ein Projekt aus den Nachrichten.
Comino, die dritte bewohnte Insel, ist zwei Quadratkilometer Land zwischen Malta und Gozo. Nur eine Handvoll Menschen lebt hier dauerhaft, die Infrastruktur wird von einem einzigen Hotel getragen, und im Sommer ist der Strand der Blauen Lagune voller Boote. Nimm die erste Fähre, wenn du das Wasser ohne Menschenmassen sehen willst. Prüfe vor deiner Reise die Website des Tourismusbüros, ob Fährbetreiber und Hotel in Betrieb sind.
Musik gehört für die Malteser zum Alltag, nicht nur zum Touristenprogramm. Kinder werden hier gern in Musikschulen angemeldet, Kirchenchöre singen, und Valletta richtet internationale Festivals und Orchesterkonzerte aus.
⁉️🤔 Häufige Fragen
Warum herrscht auf Malta Linksverkehr?
Das geht auf die britische Herrschaft zurück, und die Verkehrsregeln wurden seither nicht geändert. Für dich bedeutet das: Schau vor dem Überqueren zuerst nach rechts, dann nach links. Busse und Taxis nutzen dieselben linken Spuren, und ein Mietwagen verhält sich wie gewohnt, wenn du dir Zeit lässt.
Aus wie vielen Inseln besteht der maltesische Archipel?
Offiziell aus sieben, aber nur drei sind bewohnt: Malta, Gozo und Comino. Zwischen Malta und Gozo verkehren Fähren, nach Comino gelangst du in der Saison mit Boot und Fähre. Prüfe vor deiner Reise den Fahrplan: Das Wetter ändert ihn öfter, als du denkst (laut Tourismusbüro, 09/2026).
Stimmt es, dass Malta ein Teil von Atlantis ist?
Das ist eine Legende, kein wissenschaftlicher Fakt. Malta wurde wegen seiner Megalithtempel mit Atlantis in Verbindung gebracht: Sie sind wirklich älter als die ägyptischen Pyramiden, daher entstanden in früheren Jahrhunderten kühne Theorien. Archäologen und Geologen bestätigen sie nicht. Für dich ist es einfach eine nette Geschichte, die bei Ausflügen erzählt wird.
Wann ist die beste Reisezeit für Malta?
Die Badesaison ist hier lang und der Winter mild, die Inseln empfangen also das ganze Jahr über Gäste. In der Hochsaison sind die Preise höher und auf Comino und in Valletta mehr Menschen unterwegs. Wenn du ruhige Spaziergänge und angenehme Wärme schätzt, wähle die Zwischensaison. Dann siehst du dieselben Sehenswürdigkeiten ohne Warteschlangen und Fährgedränge.
Was sollte man bei einem ersten Besuch in Malta sehen?
Beginne mit Valletta: Festungsmauern, Kathedralen und Uferpromenaden liegen alle auf kleinem Raum beieinander. Mach danach einen Ausflug zu den Megalithtempeln und plane einen eigenen Tag für Gozo und Comino ein. Trage bequeme Schuhe; die Steine heizen sich auf und werden rutschig.
Kurz gesagt: Was du buchen solltest
Malta passt zu dir, wenn du Meer und Geschichte auf einer kurzen Reise verbinden willst. Wenn du nur ein Wochenende hier bist, nimm Valletta als Ausgangspunkt und verzettle dich nicht mit langen Transfers. Einen ganzen Tag solltest du für Gozo einplanen. Wenn dir Tempel wichtiger sind, beginne mit den Megalithstätten, bevor die Hitze dich auslaugt. Prüfe Wetter, Fähren und saisonale Warnungen vorab auf der offiziellen Website der maltesischen Tourismusbehörde.


